Leben & Arbeiten

Arbeitnehmerrechte

Wer einen Arbeitsvertrag unterschrieben hat, gibt längst nicht alle Rechte auf, sondern wird in vielerlei Hinsicht besonders geschützt. Denn der Arbeitgeber darf nicht alles mit seinen Angestellten einfach so machen. Es gibt Arbeitnehmerrechte, die schon ab dem ersten Tag gültig sind.

Im Folgenden geben wir einen kurzen Überblick über die wichtigsten Themen für Arbeitnehmer.

Arbeitsvertrag

Es gibt gewisse Inhalte, die in jedem Arbeitsvertrag, egal ob befristet oder unbefristet, geregelt werden müssen. Dies sind:

  • Informationen zu Arbeitgeber und -nehmer
  • Beginn des Arbeitsverhältnisses
  • Ort der Beschäftigung (gegebenenfalls Hinweis auf Tätigkeiten an verschiedenen Standorten)
  • Tätigkeitsbeschreibung (wenn vorhanden Benennung etwaiger Nebenpflichten)
  • Bestimmung des Arbeitsentgeltes inkl. möglicher Zuschüsse, Prämien oder Sonderzahlungen
  • festgesetzte Arbeitszeit
  • Urlaubsanspruch
  • Kündigungsfristen
  • Hinweise auf Tarifverträge, Betriebs- oder Dienstvereinbarungen
  • sonstige Sonderregelungen
  • Regelung der Probezeit (maximal 6 Monate)
  • Kündigungsfrist (gesetzlich gilt: 4 Wochen zum 15. oder zum 30. Kündigungsfrist verlängert sich je nach Betriebszugehörigkeit. Aber individuelle Regelung möglich. § 622 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB))

Weitere Aspekte kann der Arbeitgeber individuell regeln. So z.B. die Verschwiegenheit über interne Unternehmensgeheimnisse. Zu solchen individuell festgelegten Inhalten des Arbeitsvertrags gehören unter anderem auch die Überstunden und Mehrarbeit.

Überstunden

In einigen Branchen scheint es selbstverständlich für die Unternehmen zu sein, dass sie 24 / 7 auf ihre Mitarbeiter zugreifen können. Viele Arbeitnehmer machen dies mit, weil es „dazu“ gehört und man von den Kollegen als faul abgestempelt wird, wenn man mal pünktlich oder gar früher aus dem Büro geht. Aber auch dabei gibt es Grenzen. So müssen zum Beispiel Ruhepausen von mindestens 11 Stunden zwischen den Arbeitstagen eingehalten werden. Grundsätzlich gilt in Deutschland: Angestellte sind nur verpflichtet Mehrarbeit zu leisten, wenn dies im Arbeitsvertrag vereinbart wurde. Ist ein solcher Zusatz nicht im Arbeitsvertrag verankert, darf Mehrarbeit nur im Notfall anfallen und muss angekündigt werden.

Arbeitnehmerrechte im Krankheitsfall

Arbeitgeber können vertraglich regeln, ob ein Arbeitnehmer sich direkt am 1. Krankheitstag mit einem Attest vom Arzt krankmelden muss, oder ob er dies erst am 3. Tag vorlegen muss. Ist es im Vertrag nicht gesondert geregelt, gelten die gesetzlichen Bestimmungen (Vorlage eines Attests am 3. Krankheitstag). Doch was darf ich als Arbeitnehmer machen, wenn ich offiziell krankgeschrieben bin? Arbeitnehmer dürfen das machen, was sie nicht an ihrer Genesung hindert oder den Anschein erweckt, dass der Beruf absichtlich vernachlässigt wird. Das heißt, wenn sich ein Angestellter wegen eines Bänderrisses krankmeldet und dann bei der Gartenarbeit erwischt wird, muss er mit einer Sanktion des Arbeitgebers rechnen. Ein einfacher Spaziergang bei einer Erkältung ist hingegen förderlich für die Gesundheit und demnach auch durchführbar.

Arbeitszeugnis

Die Formulierung eines Arbeitszeugnisses ist das A und O. Bei Verlassen eines Unternehmens hat jeder Arbeitnehmer das Recht auf ein Arbeitszeugnis. Die Bewertung des Zeugnisses hat dabei einen wohlwollenden Ton und durch eine „Arbeitszeugnis-Sprache“ vergeben die Personaler eine Art Schulnote mit dem Zeugnis. Wenn sich ein Arbeitsnehmer schlecht oder ungerecht bewertet fühlt oder gar kein Zeugnis erhält, hat er das Recht dies vorm Arbeitsgericht einzuklagen.

Rechtlicher Urlaubsanspruch und Sonderurlaubstage

Der rechtliche Mindestanspruch an Urlaubstagen in Deutschland liegt bei Angestellten (bei einer 5 Tage-Woche) bei 20 Tagen. Die Abstufungen richten sich natürlich nach der Anzahl der Stunden die der Arbeitnehmer in der Woche vertraglich leistet. Unternehmen können natürlich mehr Urlaubstage geben. Sind am Ende des Jahres noch Urlaubstage übrig, können diese bis zum 31. März des Folgejahres übertragen werden. Den Zeitpunkt des Urlaubs können die Mitarbeiter selbstständig bestimmen, jedoch muss der Vorgesetzte in den meisten Fällen seine Zustimmung leisten.

Gesetzliche Sonderurlaubstage gibt es ebenfalls. (§616 BGB) Weitere können vom Arbeitgeber freiwillig gegeben werden. Festgelegt sind:

  • Der Tag der eigenen Hochzeit
  • Bei der Geburt des eigenen Kindes (Wenn es nicht am Wochenende oder im Urlaub ist)
  • Beerdigung eines nahen Verwandten (Eltern, Ehegatten und eigene Kinder)
  • Bei dienstlich bedingten Umzügen. (Sonderurlaub für private Umzüge kann der Arbeitgeber eigenständig festlegen)

Mutterschutz und Elternzeit

Mutterschutz gilt für alle (werdenden) Mütter, die in einer Festanstellung in Deutschland beschäftigt sind. Bei einer befristeten Anstellung wird die Stelle trotz des Mutterschutzgesetzes nicht automatisch verlängert. Bei Schwangerschaft in der Probezeit eines unbefristeten Arbeitsverhältnisses, greift der gesetzliche Schutz sofort. Der Schutz gilt ab dem Moment, an dem die Arbeitnehmerin das Unternehmen darüber informiert. Bis vier Monate nach der Entbindung fällt die Arbeitnehmerin damit in einen besonderen Kündigungsschutz. Bei Elternzeit wird der Kündigungsschutz um diese Zeit verlängert.  Allgemein ist der Arbeitgeber verpflichtet, einen Arbeitsplatz zu schaffen, der nicht Gesundheitsgefährdend für Frau und Kind ist. Alle weiteren Informationen finden Sie direkt beim Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

https://www.bmfsfj.de/blob/94398/64e51451218cf392d0731b55914b4980/mutterschutgesetz-data.pdf

 

 

Gastautor: Christina Esser, Mitarbeiterin Personal bei der PSD Bank Köln eG

 

 

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