Leben & Arbeiten

Bedingungsloses Grundeinkommen

Bedingungsloses Grundeinkommen – geniale Idee oder Ermutigung zum Faulenzen? Hier ein paar Fakten zur Idee der Grundsicherung für alle.

Die Idee

Jeder Bürger bekommt jeden Monat einen festen Betrag vom Staat, der fürs Nötigste (Wohnen, Nahrung, Kleidung, gesellschaftliche Teilhabe) ausreicht. Ohne Bedingungen. Alle anderen Sozialleistungen wie Kindergeld, Sozialhilfe, Arbeitslosengeld, etc. entfallen. Die Idee ist nicht neu und wird von namhaften Wissenschaftlern bereits seit Jahrzehnten diskutiert. Ziel ist es, allen Menschen ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen, sie gerecht an den Gesamteinnahmen der Gesellschaft zu beteiligen und Armut weitgehend auszuschließen.

Der Hintergrund

Bereits heute lebt die Hälfte der deutschen Bevölkerung von Geld, für das sie nicht arbeitet. Einige Wohlhabende leben von Kapitalerträgen, die meisten aber von Sozialleistungen. Bewilligung und Verwaltung dieser Zahlungen sowie die Kontrolle der Bedürftigkeit sind mit sehr hohem Aufwand verbunden. Dieser Aufwand würde entfallen.

Die Finanzierung

Bedingungsloses Grundeinkommen bedeutet Einsparungen in der Bürokratie, Wegfall von Sozialleistungen auf der einen Seite und höhere Konsumsteuern auf der anderen Seite: Seriöse Rechnungen belegen, dass es für den Staat durchaus ein Nullsummenspiel sein kann, jedem Bürger z.B. 600 Euro im Monat zu zahlen (Kinder die Hälfte). Es gibt aber auch Ideen, Gewinne aus Rohstoffen zur Finanzierung heranzuziehen (in Deutschland nicht so effektiv), oder auch Steuern auf Maschinen zu erheben, die Arbeitsplätze vernichten.

Die Kritiker

Skeptiker befürchten Faulheit, Staatsbankrott und Verelendung in bestimmten Teilen der Bevölkerung. Wer sich nicht mehr um einen Job kümmern muss, lässt sich gehen und wird vom gesellschaftlichen Leben vollständig abgekoppelt, wird befürchtet. Unter dem zwangsläufig geringen Grundeinkommen leidet der Konsum und folglich die Wirtschaft.

Die Befürworter

Anhänger hat die Idee vom Bedingungsloses Grundeinkommen in allen politischen Lagern. Ein besonders prominenter ist der Unternehmer Götz Werner (DM Drogeriemärkte). Befürworter sehen durch das Bedingungsloses Grundeinkommen einen Anreiz zum Unternehmertum und Aufwertung von Familie und sozialem Engagement. Die Gewissheit, immer ein sicheres Einkommen zu haben, fördert den Konsum. Der Anreiz, Überdurchschnittliches zu leisten, um mehr zu verdienen, bleibt bestehen.

Die Experimente

In Brasilien ist ein Bedingungsloses Grundeinkommen gesetzlich verankert, aber noch nicht umgesetzt. Ein paar Pilotprojekte sind nicht wirklich aussagekräftig. Finnland wird in den kommenden Jahren verschiedene Feldversuche mit einem Bedingungsloses Grundeinkommen von 800 bis 1.000 Euro monatlich durchführen. Die Mongolei wird zukünftig Gewinne aus Rohstoffen an alle Bürger verteilen. In vielen weiteren Staaten wird derzeit mit dem BGE im kleinen Rahmen experimentiert. In der Schweiz hat man sich gerade per Bürgerentscheid gegen die Einführung eines Bedingungsloses Grundeinkommen entschieden. In Deutschland verlost die Initiative „Mein Grundeinkommen“ jeden Monat ein Grundeinkommen für ein Jahr, das aus Spenden finanziert wird.

Die Zukunft

Das Bedingungsloses Grundeinkommen erfordert einen umfassenden Umbau der Gesellschaft und der Volkswirtschaft. Das kann nicht von heute auf morgen geschehen, selbst wenn es alle gesellschaftlichen Kräfte wollten. Niemand kann voraussehen, wie Menschen sich verhalten werden, wenn die Befriedigung der Grundbedürfnisse nicht mehr an Arbeit gekoppelt ist.

Aber die Diskussion darüber, wie sich eine Gesellschaft, in der immer mehr Arbeit von Maschinen und Programmen erledigt werden kann, sozial entwickelt, hat gerade erst begonnen.

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